Wiener Schnecken aus dem Hause Gugumuck

Essbare Stadt Rothneusiedl

Stadtentwicklung

Rothneusiedl zählt zu dem aktuell größten Stadtentwicklungsgebiet in Wien. Auf rund 125 Hektar Ackerfläche soll ab 2030 eine Stadt für 21.000 Menschen entstehen. Gleichzeitig rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie kann eine wachsende Stadt ihre Ernährung wieder sichtbar, lokal und zukunftsfähig gestalten?

Im AGSTEP 2024 ist Rothneusiedl dazu als Kategorie 3, kleinräumige, agrarisch genutzte Flächen mit besonderer örtlicher Bedeutung ausgewiesen. Damit soll Stadtlandwirtschaft als verbindendes Element zwischen Wohnen, Arbeiten, Freiraum und Ernährung verankert werden.

Ziel ist eine platzsparende, ressourcenschonende und innovative Form urbaner Lebensmittelproduktion – auf Freiflächen ebenso wie auf und in Gebäuden, ergänzt durch Kreislaufsysteme für Energie, Wasser und Boden.

Genau hier knĂĽpft unsere Idee der Essbaren Stadt Rothneusiedl an. Sie verbindet regionale Versorgung mit einem Ort der Begegnung, an dem Genuss und Bildung Teil des Alltags werden.  Die Essbare Stadt versteht sich hier nicht als fertiges Konzept, sondern als lernender Prozess – gemeinsam mit Stadt, Planung, Landwirtschaft und Zivilgesellschaft.

Siegerleitbild von O&O Baukunst und capatti staubach urbane Landschaften

Vom Leitbild zur Praxis – Stadtlandwirtschaft am Gugumuck-Hof

Stadtentwicklung braucht Orte, an denen Zukunft schon heute ausprobiert werden kann. In Rothneusiedl ĂĽbernimmt der Gugumuck-Hof diese Rolle: als bestehender landwirtschaftlicher Betrieb, der seit Jahren urbane Lebensmittelproduktion, Gastronomie und Wissensvermittlung miteinander verbindet.

Eingebettet in das künftige Stadtentwicklungsgebiet wird hier sichtbar, was Stadtlandwirtschaft im Alltag leisten kann – jenseits von Modellen und Plänen. Anbau, Verarbeitung und Konsum finden am selben Ort statt. Kreisläufe werden erprobt, nicht simuliert. Besucher:innen, Planer:innen und Entscheidungsträger:innen erleben direkt, wie Ernährung Teil von Stadt wird.

Der Hof versteht sich dabei nicht als fertige Lösung, sondern als offenes Reallabor. Erfahrungen aus regenerativer Landwirtschaft, Marktgärtnerei, AquaPonik Fischzucht, Schneckenzucht und Farm-to-Table-Praxis fließen laufend in Austauschformate, Führungen und Forschungsprojekte ein. So entsteht ein lernender Ort, der Stadtentwicklung begleitet – praxisnah, skalierbar und anschlussfähig für die Essbare Stadt Rothneusiedl.

Lokales Wissen als SchlĂĽssel

Rothneusiedl ist nicht nur ein Entwicklungsgebiet, sondern ein Ort mit gewachsenem landwirtschaftlichem Wissen, sozialen Netzwerken und praktischer Erfahrung.

Seit 2018 wurde hier in enger Zusammenarbeit mit Stadtentwicklung, Bauträgern, Wissenschaft, Bildung, Gastronomie und Landwirtschaft erprobt, wie Ernährung, Produktion und urbanes Leben zusammenwirken können.

Durch Kooperationen, öffentliche Veranstaltungen, Beteiligungsformate und internationale Vernetzung ist ein tiefes Verständnis für Boden, Klima, Kulturlandschaft und soziale Dynamiken entstanden.

Dieses lokale Wissen zeigt, welche Formen von Stadtlandwirtschaft funktionieren, wo Synergien entstehen – und wo Grenzen liegen.

EU-Projekt ATRIUM

Rothneusiedl bietet nicht nur Raum für neue Wohnungen, sondern auch für neue Formen urbaner Landwirtschaft. Genau deshalb ist der Gugumuck-Hof Teil des EU-Forschungsprojekts ATRIUM – und eine von drei europäischen Demonstrationslocations, an denen innovative Lösungen im realen Betrieb erprobt werden.

Im Fokus stehen vertikale Grünsysteme, grüne Wände und neue Baustoffe wie Hempcrete, die Klimaresilienz, Ressourcenschonung und nachhaltige Nutzung verbinden. Ziel ist es, zu zeigen, wie Gebäude, Freiräume und Lebensmittelproduktion künftig stärker zusammenspielen können – praktisch, sichtbar und im Alltag erlebbar.

Ergänzt wird diese Arbeit durch den Austausch mit dem europäischen Netzwerk Top 50 Farmers, das regenerative Landwirtschaft in realen Betrieben vorantreibt. So entsteht in Rothneusiedl ein Ort, an dem Forschung, Ernährung und Stadtentwicklung gemeinsam wachsen.

Die Essbare Geschichte Rothneusiedls

Rothneusiedl ist kein neuer Ort für Ernährung – sondern ein sehr alter. Landwirtschaft prägt diesen Stadtteil seit der Urzeit. Fruchtbare Böden, Wasserläufe, Weingärten, Ackerbau und Viehhaltung haben über Jahrhunderte die Landschaft, das Wissen und den Alltag der Menschen geformt. Essen war hier nie abstrakt, sondern Teil des Ortes.

Diese essbare Geschichte haben wir Schritt für Schritt aufgearbeitet – von frühen Siedlungsspuren über die landwirtschaftliche Nutzung rund um Wien bis hin zu den bäuerlichen Strukturen des 20. Jahrhunderts. Sie zeigt: Rothneusiedl war immer Produktionsraum, Versorgungsraum und Erfahrungsraum für Lebensmittel.

Oder, wie August Bebel formulierte:
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“

Die historische Tiefe macht deutlich, dass die Idee einer Essbaren Stadt kein Trend ist, sondern eine zeitgemäße Weiterentwicklung lokaler Identität – verwurzelt im Boden, offen für neue Formen des Zusammenlebens.

(Die Recherche ist in sieben thematischen Heften dokumentiert.)

Heft 1–.– Heft 2 –.– Heft 3 –.– Heft 4 –.– Heft 5 –.– Heft 6 –.– Heft 7

Von der Geschichte zum gelebten Kreislauf

Die essbare Geschichte Rothneusiedls setzt sich fort – im Alltag, im Anbau, im Kochen und im gemeinsamen Essen. Was über Jahrhunderte gewachsen ist, findet heute neue Formen: sichtbar, zugänglich und mitten im Stadtentwicklungsgebiet.

Am Gugumuck-Hof wird diese Verbindung konkret gelebt. Landwirtschaft, Verarbeitung und Genuss greifen ineinander und machen erfahrbar, wie Ernährung Teil von Stadt sein kann – nicht abstrakt, sondern unmittelbar.

Wer sehen möchte, wie sich Geschichte in Gegenwart verwandelt, folgt dem Kreislauf weiter – vom Feld auf den Teller.

👉 Farm-2-Table erleben