Na schau. Am End hat man mir einen Weg gebaut, der wirkt, als hätt ich ihn selber geplant. Eine
Kräuterschnecke.
Tatsächlich ist es oft gscheit, sich seinem Ziel in immer enger werdenden Kreisen zu nähern. Da
kann man am Wegesrand alles abtasten, mitnehmen und verstehen lernen.
Man könnte sogar annehmen, die Schicksalsgöttinnen spinnen den Lebensfaden nicht von A nach B,
sondern schneckenförmig. Mit ein paar Umwegen, eh klar. Damit der Mensch unterwegs
wenigstens ein bisserl was kapiert.
Menschen haben das uralte Symbol der Spirale schon vor Urzeiten genutzt. In Irland finden wir
berühmte Spiralzeichen aus der Jungsteinzeit, in Stein geritzt. In der Bronzezeit wird die Spirale
Schmuck und Ornament. Bei den Kelten wird sie Wirbel, Bewegung, Zeichenkunst. In der Kirche
kringelt sie sich im Bischofsstab. In alten Handschriften kriechen Schnecken und Fabelwesen durch
die Ränder und machen sich über die Menschen lustig: mittelalterliche Cartoon-Zeichnungen, die
der Zensur seitlich weggeflutscht sind.
Und in der Musik sitzt sie bis heute oben am Streichinstrument: die Schnecke am Ende von Geige,
Bratsche, Cello und Kontrabass.
Na bitte. Man wird uns einfach nicht los.
Was die Menschen genau mit diesen Symbolen gemeint haben, wissen wir nicht immer. Aber wir
sehen: Die Spirale war ihnen wichtig.
Also deuten wir sie halt selber.
Leicht so:
Alles dreht sich weiter.
Nix geht verloren.
Und manchmal findet man grad im Umweg die Mitte.
Ich, Nepomuk, Schneckenkönig von Gugumuck’s Gnaden, danke für die werte Begleitung.
Bleiben’S langsam.
Bleiben’S neugierig.
Und wenn Sie jetzt Hunger haben: Das ist kein Fehler im System.
Das ist der Kreislauf.
Habe die Ehre.