Mei Haus, des hot ka Eckn, ka Eckn hot mei Haus …
Nona. Ich trag ja keinen Geräteschuppen am Buckl.
Mein Haus ist feinstes Kalkporzellan, Windung für Windung zur Spirale gedreht. Es ist mit mir
mitgwachsen, gar so, als hätt ich mein Leben lang Linkswalzer tanzt.
Und wenn’S hier im Küchengarten genau schauen, merken’S: die Idee der Spirale ist in der Natur
ein geniales Bauprinzip:
Blätter, Blüten, Samen, Zapfen, Salathappeln – alles dreht und schraubt sich, ordnet und versetzt
sich spiralförmig um einen gewissen Winkel. In der Geometrie nennt man ihn den Goldenen
Winkel.
Dieses schneckige Wachstum ist nicht nur schön, sondern vor allem praktisch: Wer Blätter, Samen
oder Schuppen so geschickt verteilt, dass sie sich möglichst wenig überlappen, kriegt mehr Licht,
mehr Luft, mehr Regenwasser und mehr Platz.
Unsere Gugumuck-Farm-to-Table-Universität hat den Pflanzen im Garten hierfür selbstverständlich
ein Empfehlungsschreiben zukommen lassen. Darauf vermerkt: die sogenannte Fibonacci-Reihe,
der Goldene Schnitt und der Goldene Winkel. Diese drei hängen mathematisch miteinander
zusammen – und helfen der Natur zu verstehen, wie sie die perfekte Spirale erzeugen kann.
In dieser Wachstumsbroschüre kann ein jedes junge Gemüse nachschlagen, wie es sich optimal
entwickeln möge.
Allein: Die Natur is a Zezn. Sie will sich an das Ideal nicht und nicht akurat halten. Doktor Alba
Einschleim hat sich an diesen Sturhäupteln schon etliche Raspelzähne ausgebissen.
An mir übrigens auch. Mein Schneckenhaus ist nämlich sicher nicht nach der Fibonacci-Reihe
gewachsen. Stellt euch das vor: Vor jeder neuen Windung müsste ich zuerst kopfrechnen, um die
ideale Form herauszufinden. Da wirst ja narrisch!
Überhaupt raucht mir schon vom vielen Rechnen der Schädel. Schauma, dass ma gschwind zur
Weinzeile weiterkommen. Ich kann ein gutes Schluckerl gut gebrauchen.