Es geht ein Zwitter bei Gewitter aus dem Haus und tobt sich aus.
Nun, dass wir’s gern schneckig feucht und dämmrig haben, hab ich euch ja schon erzählt. Aber
wisst ihr auch, dass wir Weinbergschnecken echte Zwitter sind? Unsere Körper besitzen beide
Geschlechtsorgane, die männlichen wie die weiblichen. Gleichzeitig. Serienausstattung.
Bei uns stellt sich die Frage nach dem Gendern also eher nicht. Und bei der Partnerwahl könnten
wir somit aus dem Vollen schöpfen. Wäre da nicht…
Apropos Wahl: Wir Schnecken wählen auch kein Schneckenoberhaupt. Das würde gar nicht
funktionieren, denn alle würden alle wählen, weil ja jeder mindestens genauso gut schleimen kann
wie der andere.
Jetzt fragt sich sicherlich die eine oder der andere, warum, wenn wir doch alle so furchtbar gleich
sind, ausgerechnet ich, Nepomuk, der Schneckenkönig bin! Bin ich stärker? Bin ich gscheiter?
Schöner? Herrsche ich über ein Volk gehorsamer Untertanen?
Schmecks.
Ich bin ein Schneckenkönig, weil sich die Natur mit mir einen Scherz erlaubt hat.
Die allerallerallermeisten Weinbergschneckenhäuser sind nämlich rechtsgewunden. Nur meines
nicht. Meines dreht sich anders herum. Ich sag’s unumwunden: Bin linksgewunden. Und nicht nur
mein Haus: Auch meine inneren Organe liegen spiegelverkehrt.
Das klingt leicht besonders, ist aber im Liebesleben ein ziemliches Gfrett. Weil die anderen
Schnecken ihre intimen Stellen dort haben, wo ich sie nicht habe. Und umgekehrt. Man findet nicht
zusammen. Im wahrsten Sinn des Wortes.
Es gibt übrigens auch Menschen, die ihr Herz auf der anderen Seite tragen. Sehr sehr sehr sehr
selten. Sehr besonders. Und manchmal wahrscheinlich auch ein bisserl einsam, so wie ich.
Ihr müsst kein Mitleid mit mir haben. Ich hab mich damit längst abgefunden. Ich wandere. Ich
beobachte. Ich denke. Ich palavere. Und manchmal, meine Herr- und Damenschaften, ist
Anderssein auch nur eine Art, König zu sein.
Kommen’S weiter zum Küchengarten. Dort erzähl ich euch noch ein bissl mehr über Spiralen,
Wachstum und die schneckische Ordnung der Welt.