Wie heißt das Taschentuch der Weichtiere?
Schneckentempo.
Eh kloa, oder?
Der Witz is so schlecht, dass man ihn eigentlich nicht auslassen kann.
Willkommen in der Gartenbar, gnä Fräuln, Mesdames, meine Herren und alle dazwischen. Hier
schlägt das Herz des Gugumuck-Hofs. Nicht rasant, nicht „dalli dalli“, sicher nicht „zack zack“ –
sondern im Schneckentempo.
Hier wird geschmaust, getrunken, konferiert oder einfach nur blöd in die Luft gschaut. Hier merkt
man leicht: Aha. Ich bin ja gar nicht auf der Flucht. Ich hab ja Zeit.
Der kleine Prinz von Saint-Exupéry hatte Schneckenverstand. Er rät einst dem müden
Laternenanzünder, der nur noch funktionierte, statt zu leben, weil der Takt seiner Welt absurd
geworden war: „Du musst nur langsam genug gehen, um immer in der Sonne zu bleiben.“
Wir Schnecken ticken halt anders. Ihr habt Tag oder Nacht. Wir haben feucht oder trocken. Ihr habt
Termine. Wir haben Morgentau. Ihr sagt: „Ich muss schnell noch was erledigen.“ Wir sagen:
„Gemach. Erst schnuppern. Dann fühlen.“
Apropos Gugumuck-Herz und sonstige anatomische Zuständ: Auch ich habe ein Herz. Ein mini,
blaublütiges Schneckenkönigherz. Es pumpt Hämolymphe durch meinen Leib – so heißt das
nämlich bei uns vornehmen Mollusken, sprich Weichtieren. Nicht ordinäres Blut, sondern
kupferhaltige Hämolymphe, die mit Sauerstoff leicht bläulich werden kann. Klingt doch gleich
nobel, merkt’s es?
Und weil wir Schnecken anders ticken, hab ich mir gütigst die Frage erlaubt, ob die Zeit für uns
auch anders vergeht als für euch Menschen. Dass Zeit von Tier zu Tier und von Mensch zu Mensch
unterschiedlich erlebt werden kann, wird tatsächlich schon lang vermutet. Selbst Doktor Alba
Einschleim, und diese Schnecke ist ned deppert, hat sie doch mit ihrer Relativitätstheorie unser
ganzes Weltbild durcheinandergerüttelt, hat mir versichert: Zeit ist eine Variable.
Ich, Nepomuk, sage: Eine Minute in der trocken-heißen Sonne fühlt sich viel länger an als die
Minute im warmen Abendregen. Und ein Nachmittag in der Gartenbar kann überhaupt
verschwinden, ohne dass man sich dagegen wehren kann, wenn man nicht achtsam ist und in
Beziehung geht zu dem, was um einen herum ist.
Wer langsam ist, kriegt mehr mit vom Leben. Und vor allem hat man länger was davon. Abgesehen
davon, dass uns nicht vorzeitig der Herzkasperl holt.
Oiso. Reservieren Sie sich ein Platzerl, bevor wir zur zweiten Station, der Marktgärtnerei,
weiterschleimen.
Hui. Des war jetzt ur philosophisch.